|
Stuttgarter Zeitung vom 12. März 1990
Zehntscheuer eingeweiht „Neue gute Stube“ von Plieningen
Alte, dunkle gebeizte Balken im Dachstock, helle Eichendielen auf dem Boden, ein graziles Geländer im Treppenhaus, weiß gekalkte Wände und unverputztes Mauerwerk, viel Glas und Lichtbestimmen
die Atmosphäre in der „neuen guten Stube von Plieningen“, wie Bezierksvorsteher Gerhard Schuhmacher die renovierte Zehntscheuer bei der Einweihung am Samstag bezeichnet hat. Wo die Bauern der
Umgebung im 16. Jahrhundert den zehnten Teil ihrer Ernte der Kirche, genauer: dem Kloster Bebenhausen, abgeliefert haben, wo später Heu und Stroh gelagert wurden, wo
bis vor Baubeginn noch Spinnweben von den Decken hingen, ist jetzt wieder Leben eingezogen. „Der Dornröschenschlaf ist vorbei“, sagte Oberbürgermeister Manfred
Rommel beim Empfang. Ein Bürgerzentrum soll sie werden, die Zehntscheuer aus dem Jahren 1536, die bei Kirche, altem Rathaus und Mönchhof im Ortskern von Plieningen
liegt. Von den 20 Vereinen im Ort haben sich schon 18 zur Nutzung angemeldet.
Auf die fast schon traditionell gewordenen Fachwerkromantik hat man bei der Renovierung bewußt verzichtet. Ziel sei ein „moderner Ausdruck ohne modernistische
Spielereien“ gewesen, erläuterte Architekt Heinz Blume. Gut sichtbare Belüftungsrohre aus Aluminium, strenge, klare Lampen und Strahler, die das Gebälk indirekt beleuchten,
und moderne Bühnenscheinwerfer tragen zum Stiel des großen Saals genauso bei wie die alte Holzkonstruktion des steilen Dachstuhls, die hellen, gescheuerten Eichenbohlen.
Offene Treppen und Geländer, Verglasung des halbrunden Scheunentors und Fenster in der Dachschräge lassen die ehemalige Scheuer freundlich, hell und leicht wirken... (luß)
|