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HWK Stuttgart

AKTUELL - TEKSING
Chinesische "Titanic" liegt im Hauptbahnhof vor  Anker

Kein alltäglicher Auftrag für einen  Weilimdorfer Zimmerer

"Meine Mitarbeiter waren mit voller  Begeisterung dabei. Ich kann die nur loben!" Zimmerer-Meister Thomas  Frodermann aus Stuttgart-Weilimdorf ist stolz auf seine Belegschaft.  Rund 12 Leute, praktisch Frodermanns ganzer Betrieb, hatten sich  wochenlang in das jetzt abgeschlossene Projekt gestürzt - sechs Tage  in der Woche, 12 Stunden am Tag. Das Ergebnis ist kaum zu  übersehen.

Etwa 60 Meter lang,
10  Meter hoch und
10 Meter breit

erhebt sich derzeit eine  chinesische Dschunke in der großen Halle des Stuttgarter  Hauptbahnhofs.

Die eindrucksvolle Konstruktion aus Stahl und  unbehandelten Holzdielen wiegt mitsamt ihrer Ladung gut 175  Tonnen.

 

Auf 23 stählernen Stützen, von denen jede  einzelne 73 Tonnen tragen könnte, schwebt der Schiffskörper vier  Meter über dem Boden der Bahnhofshalle, um den Passanten nicht den  Weg zu versperren. Von den fast 250.000 Passanten, die die  Bahnhofshalle Tag für Tag durchqueren, stiegen gleich am  Eröffnungstag der Tek Sing rund 820 Besucher die hölzerne Gangway  empor, die die Neugierigen in eine andere Umgebung, eine andere  Kultur und in eine andere Zeit entführt.

 

 "Ich hatte schon immer eine Schwäche für Schiffe.  Bei dieser Ausstellung konnte ich gar nicht anders, als ein  Schiff zu entwerfen."
Architekt Karlheinz  Thurm

"Rein handwerklich war es eigentlich ein sehr  einfacher Auftrag. Aber man bekommt eben nicht alle Tage eine  Aufgabe wie diese."
Zimmerer-Meister Thomas  Frodermann

 

Im Inneren begegnen die Besucher edlem  chinesischem Porzellan, denn die Dschunke in der Bahnhofshalle ist  nichts anderes als ein riesiges Ausstellungsgebäude für eine  kostbare Fracht. Eine Fracht übrigens, die eine spektakuläre  Vergangenheit hat, deren Geschichte sich  spannender liest als so mancher Krimi.

Geistiger Vater der Idee, das Porzellan  in einem Schiffsrumpf zu präsentieren, ist der Meersburger Architekt  Karlheinz Thurm. Er konstruierte die Dschunke, und von ihm stammt  auch das Konzept der Ausstellung in ihrem Rumpf. "Uns war von Anfang  an klar, dass wir für eine Ausstellung dieser Art etwas ganz  Besonderes machen müssen. Das einzige Hemmnis waren die Kosten",  fasst Thurm die zurück liegenden Monate zusammen. Was von Februar  bis August unter seiner Regie entstand, war trotzdem nicht für ein  kleines Budget konzipiert. Auf ungefähr 1,5 Millionen Mark belaufen  sich die Baukosten unter dem Strich.

"Magisch, schwarz und dunkel, wie aus  einer anderen Welt" wünschte Karlheinz Thurm sich seine stilisierte  Tek Sing, die er als eine offene Skulptur begreift: kein Abbild,  sondern nur ein Zitat des historischen Vorbilds. Ohne die  zuverlässige Unterstützung des Handwerks wäre das nicht machbar  gewesen. Stahlbauer und Elektriker waren an der Dschunke beschäftigt  - und natürlich die Zimmerer von Thomas Frodermann.

Als Restaurator im Zimmerer-Handwerk kann  Frodermann einschlägige Erfahrungen im Umgang mit ungewöhnlichen  Aufträgen vorweisen. Das Theater im Residenzschloss Ludwigsburg  steht ebenso auf seiner Referenzliste wie die Schlosskirche von  Neuenburg. Ein Auftrag wie die von Thurm konzipierte Dschunke ist  aber auch für ihn keine alltägliche Arbeit.

Die Schätze der Tek Sing werden noch bis  November öffentlich zu sehen sein, vom 17. bis 25. November werden  sie dann versteigert. Die Dschunke selbst liegt aber noch bis Januar  im Stuttgartet Hauptbahnhof vor Anker. Und danach? Thomas Frodermann  zuckt mit den Achseln, Karlheinz Thurm grinst: "Wer sie haben will,  kann sie kriegen. Geschenkt." Nur den Abbau müsse er bezahlen, setzt  Thurm nach. "Wir helfen dann gerne dabei", lacht Thomas  Frodermann.