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Stuttgart (eh) - Die Säulenhalle des Naturkundemuseums Schloss Rosenstein gleicht derzeit einer Schiffsbauwerkstatt: An einem riesigen Rumpf wird gehämmert, gesägt und gestrichen, als
nächstes sollen die Segel gesetzt werden. Bis 30. September muss die „HMS Beagle“ fertig sein, dann wird die Sonderausstellung „Der Fluss des Lebens eröffnet“ - ein Höhepunkt des Darwin-Jahrs in Deutschland.
In das Jahr 2009 fällt ein doppeltes Jubiläum: der 200. Geburtstag von Charles Darwin und der 150. Jahrestag der Erstveröffentlichung seinen Werkes „Die Entstehung der Arten“, das die moderne
Evolutionstheorie begründet hat. Das Staatliche Naturkundemuseum Stuttgart nimmt dies zum Anlass für eine 300 000 Euro teure Ausstellung. Immerhin, erklärt dessen Direktorin Johanna Eder, sei das Haus eine der zentralen
Institutionen, wenn es um Fragen zu Artenvielfalt und der Veränderung von Arten ginge. Allgemein verständlich und spannend wollen die Forscher das komplexe Thema darstellen - schon der Blick in die Säulenhalle verspricht die
Erfüllung dieses Anspruchs. Dort baut der Designer Karlheinz Thum die „Beagle“ nach - jenes Forschungs- und Vermessungsschiff, mit dem der damals erst 22-jährige Darwin 1831 in See stach, um die nächsten fünf Jahre um die Welt
zu segeln und dabei Sammlungen von Fossilien und Tieren zusammenzutragen. „Diese Reise war für Darwin und seine Lehre so entscheidend, dass wir das Schiff in den Mittelpunkt unserer Ausstellung stellen wollten“, erklärt der
Projektleiter Günter Bechly und verrät, dass die Anregung dazu von einem Mitarbeiter der Museumsaufsicht kam. Die Idee wurde in dreijähriger Planungsarbeit zu einem Ausstellungskonzept weiterentwickelt, das bei einem Ideenwettbewerb
übrigens ausgezeichnet wurde.
Der Nachbau sei keine Kopie des Originals, räumt Thum ein, der vor einigen Jahren schon einmal mit einen Schiffsnachbau die Stuttgarter begeisterte: mit der im Hauptbahnhof für eine Porzellanauktion
aufgestellten chinesischen Dschunke Tek Sing. Damit die „Beagle“ ins Schloss Rosenstein reinpasst, muss sie etwas kleiner ausfallen - das echte Schiff war 26 Meter lang und fast acht Meter breit, weiß Hobbysegler Thum, der
viele Bücher darüber gelesen und dutzende Zeichnungen studiert hat. Er hat versucht, wesentliche Details zu berücksichtigen, damit Besucher ein Gefühl vom beengten Leben an Bord erhalten. Aber es ging auch darum, Wesentliches
wegzulassen, denn der Rumpf der „Beagle“ ist offen. „Er soll dazu einladen, ihn zu erkunden“, so Bechly. Innen werden sich Multimediastationen befinden, mit denen Besucher virtuell auf die Reise gehen können. Der echte
Darwin musste noch Stürme und Flauten ertragen und viele Tage, an denen er unter Seekrankheit litt. Der Museumsgast hingegen wird die Früchte von Darwins Arbeit und die seiner Nachfolger ganz ohne Übelkeit erkunden können. Auf 700
Quadratmetern Fläche wird Evolution zum Abenteuer: Dargestellt werden Weichenstellungen in der Geschichte des Lebens, als vor hunderten Millionen Jahren aus Fischen vierbeinige Landbewohner und viel später aus Affen Menschen wurden.
Die Sonderausstellung „Der Fluss des Lebens - 150 Jahre Evolutionstheorie“ ist vom 1. Oktober bis 24. Mai 2010 in Schloss Rosenstein zu sehen. Erwartet werden mindestens 100 000 Besucher.
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