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Die Reise mit der Beagle war das bei weitem bedeutendste Ereignis in meinem Leben und hat meinen gesamten Werdegang bestimmt“, resümierte der
berühmte Naturforscher und Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin einst in seiner Autobiografie. In Originalgröße beeindruckt daher ein Nachbau des damaligen Forschungsschiffs „HMS Beagle“ jeden Besucher, der die
Säulenhalle des Schlosses Rosenstein betritt. Hier zeigt das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart seit dem 1. Oktober 2009 die Sonderausstellung „Der Fluss des Lebens – 150 Jahre Evolutionstheorie“.
Im Jahre 1831 brach der damals 22-jährige Darwin an Bord der Beagle zu einer Expedition auf, welche die Naturwissenschaft bahnbrechend verändern
sollte. Im Auftrag der englischen Krone erkundete das Forschungs- und Vermessungsschiff fünf Jahre lang Südamerika, die Galapagosinseln, Tahiti, Neuseeland, Australien, Mauritius und Cape Town. 1529 in Spiritus eingelegte und 3907
getrocknete Präparate von Fossilien, Käfern, Insekten, Schnecken, Muscheln, Fischen, Vögeln und Säugetieren brachte die Beagle 1836 nach England zurück. „Diese Reise war für Darwin und seine Lehre so entscheidend, dass wir das Schiff
in den Mittelpunkt unserer Ausstellung stellen wollten“, erklärt Günter Bechly, Projektleiter der Ausstellung.
Um den Nachbau der Beagle bewarb sich ein Team, das bereits vor neun Jahren über Stuttgarts Grenzen hinaus von sich Reden gemacht hatte. Gemeinsam mit dem Designer Karlheinz Thurm hatte die Stuttgarter Zimmerei Frodermann im Jahr
2000 schon einmal ein Schiff nachgebaut die „Tek Sing“, eine chinesische Dschunke, die im Stuttgarter Hauptbahnhof für eine Porzellanauktion errichtet worden war.
Experten für Kniffliges
Schon damals habe die Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Zimmerleuten bestens geklappt, erinnert sich der 70-jährige
Schiffsbauer vom Bodensee. „Das sind Leute, die ihr Handwerk verstehen und über viel Erfahrung verfügen.“ Für Heinz Kanig, den früheren Kompagnon der Firma Frodermann, war der Bau der Beagle ein Leichtes.
Der eingefleischte Zimmermann, der das Ludwigsburger Barockschloss berufsbedingt in- und auswendig kennt, ist Experte für Spezialaufträge. Im Maßstab 1:1,2 wurde die „HMS Beagle“, die damals 27,5 Meter lang und 7,5 Meter
breit gewesen ist, auf eine Länge von 16 Meter verkürzt. Für den Rumpf und das begehbare Deck, das zukünftig für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden soll, wurden etwa 12 Kubikmeter Fichten-Leimholz verbaut.
„Die massive Holzkonstruktion wird von neun Spanten umklammert, die in einem Bodenrost verankert sind“, beschreibt Karlheinz Thurm den Schiffsaufbau. „Eisenplatten an den Querbalken, verbolzte Reelingstützen sowie einige
Innenwände dienen dabei zusätzlich der Stabilität.“ Am Schwierigsten sei das Fertigen des gebogenen Bugspiets und der Gallionsreeling gewesen, erzählt Heinz Kanig und Detlef Frodermann fügt an: „Für solche Arbeiten ist Heinz
unser richtiger Mann.“
Dem passionierten Hobbyschnitzer und eigentlich bereits pensionierten Zimmermann oblag es dann auch, die Gallionsfigur – den Beagle-Kopf zu stilisieren. Dessen Existenz sei, so der Designer, historisch gesehen eigentlich
nicht zu 100 Prozent belegt „Aber Herr Kanig hat das sehr gut gemacht!“
Spannende Art, gute Werbung zu machen
Insgesamt über 300 Stunden hat die achtköpfige Mannschaft der Gebrüder Frodermann in den Bau der Beagle gesteckt. „Eine besondere Herausforderung sei die Logistik gewesen“, so Thomas Frodermann. In nur sechs Tagen schafften
es seine Leute, die vorgefertigten Module im Museum aufzubauen. „Finanziell gesehen lohnen sich solche Projekte nicht für einen Betrieb“, weiß der Stuttgarter Zimmermeister und Restaurator. „Aber sie sind einfach eine spannende
Art, gute Werbung für uns zu machen.“ Und das mit Erfolg! Gleich zweimal berichtete der SWR im Fernsehen über den Bau der Beagle. Und auch in zahlreichen weiteren Medien konnte sich der Stuttgarter Handwerksbetrieb in diesem
Jahr bereits „schiffen“.
Info: Die Ausstellung „Der Fluss des Lebens – 150 Jahre Evolutionstheorie“ im Stuttgarter Schloss Rosenstein ist bis zum 25. Mai 2010 göffnet. www.naturkundemuseum-bw.de/stuttgart/
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